Die Idee ein Sandstrahlgerät als Fräsgerät zu verwenden kam mir nachdem ich von der genialen Idee des Kollegen Oliver Brix erfahren habe, der die Kauflächen von CAD/CAM-gefrästen Lithiumobjekten mit dem Strahlgerät gestaltet.

Meine Überlegung basiert auf Erfahrungswerten: Zahnersatz aus Lithium-Disilikat wird oft für Frontzähne hergestellt. Bedingt durch die anatomische Form weist die Präparation eine schmale Schneidekante auf.

Die CAD-CAM Fräsgeräte werden mit Fräs- oder Schleifinstrumenten bestückt, die in vielen Fällen diesen Bereich nicht präzise erreichen können. Lässt man die Fräse oder Diamantschleifer bis zum Ende der Präparation fahren, wird bedingt durch den Kopfdurchmesser, dabei zu viel Material abgetragen. Der übergroße Abtrag im inneren Bereich der Schneidekante verringert bei gleichbleibender Wandstärke den für die ästhetische Individualisierung notwendigen Platz und bringt deutliche Nachteile für die Charakterisierung mit sich. Eine weitere Möglichkeit ist, zusätzlich einen Schlichtungsprozess mit sehr kleinen Instrumenten durchzuführen, was jedoch eine erhebliche Verlängerung der Fertigungszeit bedeutet.

Unabhängig davon wie die die Arbeit gefertigt wurde kann in den meisten Fällen auf eine manuelle Nacharbeit nicht verzichtet werden.

Um eine perfekte Passung unseres Objekts auf dem Stumpf zu erreichen, können wir das Kroneninnere mit einem Diamantschleifkörper  und der Handturbine manuell nacharbeiten. Wer innovativ arbeiten möchte, bedient sich zur Erreichung der inneren Passung eines Feinstrahlgeräts.

 

Wie ist die Vorgehensweise?

Bevor die Krone auf den Stumpf gesetzt wird, beschichtet man diese mit einem Oberflächenmarker (siehe Abb. 1). In der Kroneninnenseite werden somit die Frühkontakte deutlich dargestellt (Abb. 2).


Weiter geht es mit der Kontrolle am Video-Mikroskop EASY view 3D bei einer 15 oder 20fachen Vergrößerung, und zwar sowohl in 2 als auch in 3D um ein perfektes Bild der Ausgangssituation zu erhalten.
Anschließend wird die Passung mit einem Feinstrahlgerät nachgearbeitet. Voraussetzung dafür ist, dass das Strahlgerät über eine Imidiate-Stop-Funktion verfügt da wir maximale Präzision beim Materialabtrag benötigen. Die Strahldüse sollte einen Durchmesser von 0,40 mm haben und als Strahlsand wird Cobra 25 mµ bei 1,0 Bar verwendet.

Was früher mit Handstück und Fräse bearbeitet wurde, kann heute mit Düse und Strahlsand erledigt werden: man arbeitet nach dem gleichen Prinzip, nur die Ausführungstechnik ist eine andere: Stumpf mit einer Oberflächenmarkierer beschichten, Krone auf den Stumpf setzen, optische Kontrolle der Passung (Abb. 3), überschüssiges Material mit dem Strahlgerät abtragen (Abb. 4, 5, 6, 7, 8). Den Vorgang wiederholen, bis die Krone perfekt auf dem Stumpf sitzt (Abb. 9).

Den exakten Randschluss prothetischer Arbeiten kontrolliere ich mit dem EASY view 3D Video-Mikroskop (Abb. 10) und wenn das Ergebnis vollständig zufriedenstellend ist, erfolgen wie gewohnt die nächsten Arbeitsschritte (Abb. 11, 12, 13, 14)

 Warum ich meine Arbeitsweise umgestellt habe?

Hier meine Begründung:

  1. Ich musste weder neue Geräte noch Materialen kaufen
  2. Durch die Verwendung eines Feinstrahlgeräts für die innere Passung spare ich viel Zeit
  3. Ich benötige weniger Diamantschleifkörper um die Facetten/Kronen an die Stümpfe zu adaptieren
  4. Ich schone mein CAD-CAM Fräsgerät und benötige weniger Fräsen mit kleineren Durchmessern, die sehr teuer sind
  5. Meine Kronen/Facette verfügen nun über die optimale Wandstärke für einen korrekten Keramikauftrag oder für die Charakterisierung mit Malfarben
  6. Und nicht zuletzt, habe ich eine noch bessere Passung meiner Kronen auf dem Stumpf erreicht.

 

Mein Fazit

Durch eine kleine Änderung meiner Arbeitsprotokolle konnte ich sehr viele positive Ergebnisse erreichen, sowohl in Bezug auf die Ersparnis als auch auf die Qualität.

Mein Dank gilt Renfert, als Hersteller von Feinstrahlgeräten mit Immediate-Stop -Funktion und dem Kollegen Oliver Brix, für seine Anregung diese Geräte kreativ zu verwenden um die Qualität unserer Arbeit zu verbessern.

 

Verwendete Geräte und Materialien:

EASY view 3D

Okklusionsspray Occlutec

Strahlgerät Basic quattro IS

Strahlmittel Cobra 25 µm

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Guido Testa wurde 1958 in der Provinz Varese in Italien geboren. 1977 absolvierte er seine Meisterprüfung in Mailand und wurde Besitzer eines Labors in Busto ...

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