Zahntechniker werden immer gebraucht – dies war ein Argument von vielen, das der Autor dieses „Renfert Flashlights“ hörte, als es um seine Berufswahl ging. Nun haben sich seither über drei Jahrzehnte die Tätigkeiten der Zahntechniker*innen sehr verändert. Und nicht wenige vor der Berufswahl stehende oder bereits langjährig darin tätige fragen sich, wie lange es in Zeiten einer hochdynamischen dentalen Digitalisierung den Beruf Zahntechniker*in überhaupt noch geben wird. Ist dieser nicht ein Auslaufmodell à la KFZ-Mechaniker (der durch den KFZ-Mechatroniker abgelöst wurde)? Ja, man darf schon skeptisch sein – einerseits. Doch liegen bekanntermaßen in jeder Veränderung auch Chancen für Neues.

So kann künftig – über die originäre zahntechnische Aufgabe der Prothetikfertigung hinaus – den Zahntechniker*innen vermehrt auch die Funktion als Zahnarztberater und Planungsassistent zukommen. Die Vielfalt der prothetischen Lösungsmöglichkeiten, der Werkstoffe sowie das „backward planning“ implantatgetragener Restaurationen, mit ihrem hohem funktionellem und ästhetischem Anspruch, sind hierfür relevant. Und für einen verlässlichen, zeitoptimierten Behandlungs- und Fertigungs-Workflow sowie stimmige Endergebnisse werden Zahntechniker*innen zunehmend auch in die Information der Patienten eingebunden – schließlich sollen deren prothetische Wünsche in die Restaurationen integriert und ohne nachträgliche Änderungen uneingeschränkt angenommen werden.

Carola Wohlgenannt bestimmt die Zahnfarbe mithilfe einer Farbmusterskala

Carola Wohlgenannt bestimmt die Zahnfarbe mithilfe einer Farbmusterskala

Neben anatomischen Kenntnissen sowie dem Wissen über Werkstoffe und deren Verarbeitung werden auch „Soft Skills“ – also persönliche, soziale sowie methodische Kompetenzen – vermehrt gefragt sein. Unter anderem werden diese widergespiegelt durch: Engagement und Eigenmotivation; Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfähigkeit; Umgang mit Neuen Medien und strukturiertes Arbeiten.

Auch wenn manche technische Entwicklung Befürchtungen oder gar Ängste auslöst, dass der gewählte Beruf Zahntechniker*in keine Zukunft mehr hat – es gibt gute Argumente für seine langfristige Existenz. Denn in dieser Branche kommunizieren Menschen mit und für Menschen, stimmen sich ab und arbeiten zusammen – anders als es die digitale Transformation „Industrie 4.0“ anstrebt, in der unabhängig Maschinen untereinander kommunizieren und kooperieren. Auch werden durch die demografische Entwicklung Personalressourcen auf allen Ebenen knapper, sodass sich zwangsläufig eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen Zahnärzten, zahnärztlichen Fachassistenzen und „vor Ort“-Zahntechnikern entwickeln wird. In der Implantatplanung beispielsweise wird dies bereits seit Längerem erfolgreich gelebt; in der Kiefergelenk-Funktionsdiagnostik entwickelt sich diese interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Natürlich, die Anwendung digitaler dentaler Verfahren wird sich erweitern sowie partiell automatisieren, wie bereits die biomimetische Kauflächenrekonstruktion zeigt. Doch zunächst wird der Entwicklungsschwerpunkt sicher in der Optimierung der Konnektivität offener digitaler Komponenten liegen – wie bei Intraoral- und Gesichtsscannern oder den Analysetools zur Kieferrelationsbestimmung sowie der Implantatplanung.

Nehmen Sie doch einmal die vorstehenden Gedanken zum Anlass und besuchen Sie im Internet den Job-Futuromat (https://job-futuromat.ard.de). Dort können Sie sich unter der Berufswahl Zahntechniker*in/Zahntechnikermeister*in über den Automatisierungsgrad der Branche informieren. Selbst wenn manche Angaben der dort genannten Tätigkeiten nicht die aktuelle Realität widerspiegeln: Interessant ist es allemal, zu sehen, wie dort der „Grad der Automatisierbarkeit“ eingeschätzt wird.

 

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Auch wenn sehr viele dentale Entwicklungsszenarien zum Ziel haben, Zahnprothetik weitgehend digital-gestützt zu fertigen: es braucht (auch) in Zukunft auf allen Ebenen beruflich hoch-qualifizierte Akteure, um die komplexen dentalmedizinisch-technischen Möglichkeiten sinnvoll auszuschöpfen. Eine Aufgabe der Multitalente Zahntechniker und Zahntechnikerinnen wird dabei sein, die singulären Anwendungen von Intraoralscan, Gesichtscan, Kieferrelationsbestimmung, Implantatplanung und -insertion sowie die Prothetikplanung in ein prothetisch funktionell und ästhetisch Ganzes zu überführen.

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Jürgen Pohling ist Berater für Dentale Kommunikation & Marketing. Durch seinen beruflichen Werdegang verfügt er über langjährige Erfahrung in ...

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