Zahntechnisch klassisch

Der Begriff des Additive Manufacturing steht für die digital-gestützte, aufbauende Fertigung von Objekten mit generativen Verfahren (3D-Drucken). Und wenn auch dieser Begriff aus der heutigen, modernen Arbeitswelt stammt: Für Zahntechniker und Zahntechnikerinnen ist dies nicht wirklich etwas Neues. Sie haben schon immer „aufbauend“ gearbeitet. Zwar nur manuell analog mit Wachs sowie Keramikmassen – aber eben doch additiv.

Viele zahntechnische Vorträge und Publikationen beschäftig(t)en sich mit den digital-gestützten, subtraktiven Fertigungsverfahren. In diesen Beiträgen wurden und werden vor allem keramische Werkstoffe und ihre CAM-gestützte Verarbeitung in Fräs- und Schleifgeräten behandelt sowie der Fertigungsworkflow keramischer Gerüste oder monolithischer Keramikrestaurationen detailliert abgebildet. Seit der Kölner Internationalen Dental-Schau (IDS) 2015 ist zusätzlich auch das 3D-Drucken in den Fokus des zahntechnischen Interesses gerückt. Dies betrifft vor allem die Labor-Inhousefertigung von Kunststoffobjekten, wie Abformlöffel, (Bohr-) Schablonen, Gieß- und Pressvorlagen, (Meister-) Modellen oder Schienen. (Über das bereits seit etwa zehn Jahren – überwiegend dentalindustriell – genutzte Selektive Laser-Melting/-Sintering zum 3D-Drucken von Nichtedelmetall-Kronen, -Brücken sowie -Prothesenbasen wird aufgrund seiner Bekanntheit zurzeit deutlich weniger prominent berichtet).

Diese Präsentationen und Informationen lassen den Eindruck entstehen, dass das analoge Arbeiten mit Wachsen „old-fashioned“ und damit völlig „out“ ist. Doch dem ist nicht so. Denn einerseits schulen Zahntechniker*innen ihr Auge und ihr feinmotorisches Geschick sowie Formgefühl mit jeder Wachsmodellation von Krone oder Brücke – auch für ihre keramische Schichttechnik. Andererseits entstehen so auch Objekte, die beispielsweise als diagnostisches Wax-up der Restaurationsplanung dienen und so einen wichtigen Beitrag für die Patientenakzeptanz der späteren Prothetik liefern. Aber auch für die Fertigung von Veneers, Inlays, Onlays, Kronen und Brücken für die Gießtechnik oder keramische Presstechnik ist dieses manuelle Können immer noch unverzichtbar – trotz aller CAD/CAM-gestützten Fertigungsmöglichkeiten.

In Zeiten hoch technisierter Zahntechnik mag es anachronistisch anmuten, wenn hier – back to the roots – auf den Werkstoff Wachs eingegangen wird. Doch das analoge Additive Manufacturing macht für Zahntechniker*innen weiterhin viel Sinn. Denn sind sie im dreidimensionalen Wachsmodellieren geübt, wird ihnen aufgrund ihres Könnens und ihres räumlichen Empfindens das zweidimensionale computergestützte Designen (CAD) von Restaurationen besonders gut gelingen. Und, nicht zuletzt, wird ihnen durch ihren gelernten Umgang mit Wachssonde und Modellierinstrument auch das keramische Schichten mit dem Pinsel leichtfallen.

Deshalb sollten Zahntechniker und Zahntechnikerinnen auch „dran bleiben“, am manuellen analogen Aufwachsen und sich den richtigen Umgang mit den von ihnen verwendeten Dentalwachsen erhalten. Denn es ist schnell verlernt, das oder die Wachse so perfekt zu erhitzen, das ihre Zusammensetzung erhalten bleibt und die Abkühlkontraktion minimiert wird. Vor allem aber, die Wachstropfen mit der richtigen Viskosität punktgenau ablegen und/oder in die gewünschte Form ziehen zu können, um so nach und nach die gewünschte Zahngeometrie entstehen zu lassen.

Neben Modellierinstrumenten, elektrischen Wachsmessern und Wachstauchgeräten bietet Renfert ein GEO Expert Wax Set nach Bruguera an. Hierin sind Modellier- und Effektwachse kombiniert, mit denen sich Modellationen individuell zahnfarben imitieren lassen. Dazu können sich die Anwender in der Modellationstechnik anhand eines „step-by-step“-Leitfadens sowie Videomaterial schulen Mehr Informationen: www.renfert.com/geowax.

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Jürgen Pohling ist Berater für Dentale Kommunikation & Marketing. Durch seinen beruflichen Werdegang verfügt er über langjährige Erfahrung in ...

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