In der Märzpublikation des Renfert Flashlight war an dieser Stelle die Rede von der Zusammengehörigkeit analoger sowie digitaler Design- und Fertigungsoptionen. Denn diese Technikverknüpfungen können den Workflow prothetischer Restaurationen deutlich vereinfachen – einerseits. Andererseits jedoch stellen sie an das Wissen und Können von Zahntechnikerinnen und Zahntechnikern neue Anforderungen. Doch bei allem, was an Neuem hinzugekommen ist: Ihre anatomischen Kenntnisse des Kausystems bleibt Grundlage für eine funktionsgerechte und ästhetische Zahnprothetik.

Man kann es schon als sehr beeindruckend oder gar faszinierend empfinden, was die prothetischen Designsoftwares heute leisten. Vorinstallierte Gerüststrukturen sowie Zähne lassen sich auswählen, mit einem Mausklick platzieren und im Zahnbogen verschieben oder aufweiten. Dazu können Zahnstellungen individuell in ihren Positionen und Achsenrichtungen verändert werden. So bleiben für das schnelle, virtuelle Gestalten prothetischer Restaurationen durch die in vielen Softwares hinterlegten Zahn-, Zahnform- und Gestaltungsbibliotheken kaum noch Wünsche offen. Von den sich selbst aufbauenden biomimetischen CAD-Restaurationen ganz zu schweigen …

Es kommt auf den Kontakt zwischen Zahntechniker und Patient an.

Es kommt auf den Kontakt zwischen Zahntechniker und Patient an.

Doch fehlt da nicht etwas? Geht das, herausnehmbare und festsitzende Zahnprothetik künftig wie nach Katalog virtuell zu gestalten und sich dabei weitgehend auf das Wissen derer zu verlassen, die diesen Input für die CAD-Software geliefert haben?

Die Antwort heißt: ja und nein. Ja, wenn der Anwender ganz diesen Konstruktionsdaten vertrauen will und davon ausgeht, dass sie ohne Änderung oder Ergänzung zur geplanten Restauration passen werden. Doch muss die Antwort nein, es geht nicht lauten, wenn Zahntechniker*innen das Individuelle der Patienten in ihre Arbeiten integrieren wollen. Dazu gehören zum Beispiel mimische und phonetische Merkmale, die idealerweise durch ein persönliches Kennenlernen der Patienten wahrgenommen werden. Aber auch Fotografien – oder Gesichtsscans – die vielleicht das Patientenlachen widerspiegeln, vermitteln einen wertvollen Eindruck von der Persönlichkeit der Patienten. Und nicht zuletzt sind es immer auch Situationsmodelle, die wichtige Informationen für die Rekonstruktion liefern, wie zu Form, Stellung und Oberflächentextur der Zähne. Möglicherweise sind an diesen Modellen auch Schlifffacetten zu erkennen, die Aufschluss auf besondere Bissverhältnisse geben. Aus all diesen Unterlagen lassen sich „Add-ons“ gewinnen, mit denen die Konstruktionsvorschläge der CAD-Softwarebibliotheken nachträglich ergänzt werden sollten.

Zahnindividualisierung hat viele Facetten

Zahnindividualisierung hat viele Facetten

Die Berücksichtigung dieser „Add-ons“ wird den Zahntechnikerinnen und Zahntechnikern am besten gelingen, die Freude am Beobachten haben. Denn sie werden an den Patienteninformationen die Proportionen der Zähne und deren Achsenverlauf entdecken. Auch wird ihnen der Verlauf der Lachlinie und – gemeinsam mit den Interdentalpapillen – deren Einfluss auf die rot-weiß Ästhetik auffallen. Wenn sie dann diese und weitere Merkmale in ihre Werkstücke einarbeiten, erzielen sie eine Individualität, wie sie von CAD-Softwares allein nicht darstellbar ist. So werden diese Zahntechniker*innen durch ihre anatomischen Kenntnisse von Gesicht, Kiefer und Zähnen patiententypische, individuelle Restaurationen entstehen lassen, die ihre persönliche zahntechnische Handschrift tragen. Entstanden durch ihr Wissen und Können sowie der Nutzung aller Variablen der von ihnen verwendeten Designsoftware. Fern aller „Autopilot“ CAD-Konstruktionen, die auch möglich sind.

Die Zukunft wird das computergestützte Designen prothetischer Restaurationen sicher noch weiter vereinfachen. Es ist gut, wenn es dann noch profund ausgebildete Zahntechniker*innen gibt, die mindestens die funktionelle und ästhetische Stimmigkeit teil- und/oder vollautomatisierter CAD-Restaurationen beurteilen sowie – wenn gewünscht – diese auch individualisieren können.

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Jürgen Pohling ist Berater für Dentale Kommunikation & Marketing. Durch seinen beruflichen Werdegang verfügt er über langjährige Erfahrung in ...

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